...Frankfurter Allgemein.Die „Operation Opel“ hat so viele Akteure mit den unterschiedlichsten Interessen, dass man sich schon die Dimension der Doktorarbeiten vorstellen kann, die hierüber einmal geschrieben werden: ein Präsident in Amerika und zahlreiche Regierungschefs in Europa, Kommissare in Brüssel und deutsche Ministerpräsidenten, eine große Koalition, deren Schlüsselfiguren aus drei Parteien kommen, ein enttäuschter Interessent aus Italien und ein kanadisch-österreichisch-russischer Bewerber, der nicht glauben kann, zu welch günstigen Konditionen er den Zuschlag erhielt.
Es waren so viele Feldzeichen auf dem Kampfplatz, dass die Anführer Mühe hatten, die Übersicht nicht zu verlieren. Was allerdings die (meisten) deutschen Teilnehmer zu keinem Zeitpunkt aus den Augen verloren, das waren die Wahlen in nächster und naher Zukunft.
In der Rolle des kalten Marktverehrers
Vor allem der CDU-Seite war noch das Trauma der vergangenen Bundestagswahl präsent. Damals hätte es der Oberkämpfer Schröder beinahe noch geschafft, mit einer gnadenlos selbstvergessenen und populistischen Kampagne den erwarteten Machtwechsel zu verhindern. Wenn es eine Lektion zu lernen gab, so hat Kanzlerin Merkel sie gelernt; weswegen sie auch zu einem „anderen Ergebnis der Risikobewertung“ kam als Wirtschaftsminister zu Guttenberg von der CSU: Opel bekommt Hilfe vom Staat, weil Frau Merkel es so will. Eine Demagogiekampagne Kirchhof II, diesmal mit dem „Baron aus Bayern“ in der Rolle des kalten Marktverehrers (der Hesse Koch ist ihrer überdrüssig), wird nicht wirklich zünden. Um soziale Wärme kümmert sich die CDU schon selbst. Guttenberg, der Aufsteiger der Saison und Jungstar der CSU, der dem Kanzlerkandidaten der SPD die Schau stiehlt, hat den Kampf um eine tragfähige Zukunft von Opel verloren. Aber das ist keine Schande, seiner Popularität muss das noch keinen Abbruch tun. Und trotz des Dissenses mit der Kanzlerin, die an und für sich derlei nicht verzeiht, braucht Frau Merkel zu Guttenberg noch: als einen der wenigen in den Unionsreihen, die Zugkraft mit Geradlinigkeit verbinden und so die Abwanderung enttäuschter Unionswähler zur FDP verhindern können. Die Abschlussrechnung wird sowieso erst später präsentiert.
Wer hat wirklich Zukunft? General Motors, das auf Staatsgeheiß in die Insolvenz geht, oder Opel, das erst einmal am Tropf des Staates hängt und künftig vielleicht Weisungen aus Washington (statt aus Detroit) und Moskau erhält?
Autore: Klaus-Dieter Frankenberger
Fonte: www.faz.net
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